Dr. Hermann Schuchard (1868–1923) gründete 1894 Hephata bei Treysa – aus heutiger Sicht ein Vorreiter der Inklusion. Er befreite schon damals die noch verborgen und in Viehställen versteckt gehaltenen „missratenen" Kinder und öffnete ihnen in «Hephata!» – das heißt »Öffne dich!« – ein erstes Zuhause.
Hermann Schuchard durchbrach alle Grenzen: Statt der üblichen Terminologie »Idiot, Anormaler, Tiefstehender« sprach er schon damals »von Söhnen und Töchtern unseres Hessen Landes«. Er gab jedem Hephataner individuell angemessene Lern-Möglichkeiten: zu musizieren – jedem sein Instrument –, erfand den Handglockenchor, die Trommler- und Pfeiffer-Garde, ebenso wie die Schubkarren-Garde.
Hermann Schuchard gelang es, Kaiser Wilhelm II. herauszufordern, ihm nach zehn Jahren Wartezeit die wohl erste Inklusions-Kirche zu bauen. Sein Leitspruch »Ora et labora & celebrate« – Beten, Arbeiten und Feiern – prägt bis heute das Erbe von Hephata als Menschenrechtsbotschaft in Stein.